10.4.2009: Santiago de Chile, der Kreis schliesst sich
Die Ankunft in Santiago de Chile war für uns ein erster Zivilisationsschock, der uns schon einmal auf die Rückkehr ins alte Europa vorbereiten sollte. Das begann schon mit dem Taxi vom Flughafen zum Hotel, in dem ein großer Flachbildschirm aus dem Dach herunterklappte und unsere übermüdeten Augen während der Fahrt mit hektisch geschnittenen Pop-Videos bombardierte. Und dann natürlich die Stadt selbst, eine moderne, geordnete und betriebsame Großstadt, wie sie auch irgendwo in Europa stehen könnte ‒ wäre da nicht die eindrucksvolle Andenkulisse im Hintergrund.
Daraufhin mussten wir erst einmal die spätestmögliche Check-out-Zeit ausreizen und bis 11 Uhr schlafen, damit wir um 12 Uhr an der Rezeption sein konnten. Anschließend war noch ein Bummel durch die sonnige Stadt geplant, denn der Flug sollte erst am späten Abend gehen. Die Stadt präsentierte sich sehr ruhig, schließlich war es Karfreitag, und da haben zum einen fast alle Geschäfte (und auch Restaurants!) zu, und zum anderen hatten viele Santiaguinos ihre Stadt verlassen, um die Ostertage am Meer oder bei Verwandten im Umland zu verbringen. Nur in der Markthalle war ordentlich was los, hier sammelten sich die verbliebenen Stadtbewohner, aßen frischen Fisch aber auch Fleisch und wurden von umherziehenden Musikern bespaßt. Nicht ganz das, was man von Katholiken am Karfreitag erwarten würde...
Nun, der Tag ging schnell vorüber, wir genossen noch einmal die sommerliche Nachmittagssonne und waren uns schnell darüber einig, daß Santiago eigentlich eine ganz angenehme Großstadt ist. Dann wurde es auch schon Zeit, zum Hotel zurück zu gehen, wo das bestellte Taxi auf uns wartete, um uns zum Flughafen zu bringen.
Nach aufwendigen Sicherheitskontrollen ‒ schließlich ging es jetzt ja nach Europa und nicht mehr in das vergleichsweise lockere Südamerika ‒ und zwei Stunden Langeweile im Terminal war es dann soweit: Flug LA 704 startete pünktlich mit Zwischenziel Madrid. Ein wehmütiger Blick zurück auf Santiago bei Nacht und die stockfinsteren Anden, noch ein Kinofilm und ein chilenischer Cabernet Sauvignon, dann Ohrstöpsel rein, Augenmaske auf und einschlafen.
Madrid erwartete uns mit europäischer Terror-Paranoia: Alle Passagiere mussten das Flugzeug verlassen, nur um vor dem Wiedereinstieg in dasselbe Flugzeug noch einmal komplett durchleuchtet zu werden und ihr Handgepäck durchwühlen zu lassen. Man traut den Chilenen in puncto Sicherheit offenbar nicht.
Dann wieder ein paar Stunden Langeweile im Terminal, kombiniert mit dem Besuch des teuersten und gleichzeitig kundenunfreundlichsten Internet-Cafés meiner Reise: 8 €/h bzw. 3 €/20 min., keine Getränke erlaubt (warum heißt das noch "Café"?), Headsets für Skype kosten extra. Zum Glück hatte ich noch das ramponierte Headset von Gerry zur Hand.
In Frankfurt erwartete mich dann allerdings ein herzlicher Empfang in Gestalt meiner Mutter, und aller Müdigkeit zum Trotz quasselte ich munter mit allen meinen Erlebnissen auf sie ein, während wir zum frankfurter Hauptbahnhof fuhren. Dort trennten sich unsere Wege wieder, weiter ging es mit der S-Bahn zu Isabelles Eltern, um dort das Auto abzuholen und selbstverständlich vorher auch ein wenig über die Reise zu parlieren.
Ein schöner Anfang zurück in der Heimat, auch wenn die Temperaturen etwas zu wünschen übrig ließen. Bleibt abzuwarten, wie sich die kommenden Tage und Wochen anfühlen werden. Darüber werde ich in Kürze berichten.
9.4.2009: Geysire, Wüste und Salvador Dalí
Unglaublicherweise schafften wir es alle, rechtzeitig wach und im Jeep zu sein. Das war dieses mal auch nicht so schwer, immerhin schliefen wir alle fünf im gleichen Zimmer, so daß nicht welche im anderen Zimmer verschlafen konnten. Und so verließen wir die Laguna Colorada, auf die ich gerne noch einmal einen Blick im Morgenlicht geworfen hätte, bei fast völliger Dunkelheit, um schließlich auch noch deutlich vor Sonnenaufgang an den Geysiren von "Sol de Mañana" ("Morgensonne") anzukommen. Bei der Ankunft auf 4850 m war die Morgensonne selbst noch nicht da, dafür waberten gespenstische Dämpfe über einer Kraterlandschaft im Morgengrauen. Je näher wir den Dampfwolken kamen, um so lauter wurde das Zischen eines einzelnen Geysirs, das den Motor unseres Jeeps übertönte.
Dann stand sie vor uns - die im Vorfeld häufig erwähnte Fumarole des Geysirs von Sol de Mañana, kraftvoll senkrecht emporschießend und laut zischend, so daß man den Lärm in direkter Nähe kaum aushalten konnte. Allerdings wollte ich es mir nicht nehmen lassen, einmal persönlich zu testen, wie heiß denn der Dampf ist, der an dieser Stelle aus dem schmalen, übrigens von Menschen gebohrten Loch austritt. Nun, in 1,50 m Höhe ist es jedenfalls schon wieder angenehm warm, besonders, wenn die Umgebungstemperatur am frühen Morgen noch unterhalb des Gefrierpunktes liegt!
Aber auch in der näheren Umgebung gab es noch einiges zu entdecken: Angefangen bei dem von verschiedenen Mineralien eingefärbten Ascheboden, darin etliche, teils mannsgroße Schlammlöcher, in denen es kochte und brodelte und aus denen gelegentlich auch heißer, grauer Schlamm ausgeworfen wurde. Ein etwas zu neugieriger Besucher machte einen schönen Sprung rückwärts, als im der heiße Schlick entgegenflog!
Ruben erklärte uns bedeutungsvoll, daß wir uns direkt auf einem aktiven Vulkan bewegen würden und daß in der näheren Umgebung an etlichen Stellen glühende Lava beobachtet werden könnte. Dann mahnte er uns zur Weiterfahrt nach Aguas Calientes ("heiße Wasser"), wo wir am Rande einer Lagune im heißen Wasser baden könnten und dort auch unser Frühstück zu uns nehmen würden.
Diesen brodelnden Schlammassen sollte man nicht allzu nahe kommen.
Spannende Bilder bei Tageslicht gibt es bei flickr oder Wikimedia.
Gesagt, getan, weiter ging es auf Staub- und Steinpisten, mit dem Licht der aufgehenden Sonne zu unserer Linken. Hier verpasste ich auch eine Fotogelegenheit, die ich wohl nie vergessen werde; nicht, weil ich mich über die verpasste Gelegenheit ärgere (ich wollte auch nicht zum x-ten Mal den Jeep stoppen lassen), sondern weil ich mir stattdessen das Bild eingeprägt habe: Auf einer schnurgeraden Piste leicht abwärts rollend, blicken wir auf farbige Berge (ein wenig wie im unteren Bild), zu deren Fuß eine Lagune liegt. Dabei werfen selbst die kleinsten Steine lange Schatten durch die noch sehr tief stehende Sonne, und die Piste selbst ist durch die Schatten der kleinen Erdwälle an den Seiten noch komplett dunkel, so daß der Blick des Betrachters in den vollen Genuß der schon beleuchteten Berge und der Lagune kommt.
Auch wenn die Straße zu den heißen Quellen leicht abfiel, so waren wir bestimmt noch auf 4800 Metern Höhe, und da sich Isabelle "etwas eingefangen" hatte, hatte ihr Körper schwer damit zu kämpfen - immerhin ist der Partialdruck des Sauerstoffs in dieser Höhe nur noch bei 40% dessen in Meereshöhe. Und so beschränkte ich mich statt zu baden darauf, meine schwächelnde Patientin mit Coca-Tee, Coca-Cookies und Zuspruch zu versorgen.
Nach dem Frühstück war die Lage ein wenig besser, so daß wir wieder beide die bizarre Schönheit der vorbeirauschenden Landschaft einigermaßen genießen konnten, so z.B. der "Salvador-Dalí-Wüste", einer Steinwüste, die von vielfarbigen Bergen gesäumt ist. Es hätte mich wenig verwundert, wenn jetzt noch ein paar langbeinige Elefanten durchs Bild marschiert wären...
Wieder lag in etwa eine Stunde Fahrt vor uns, bei der es inzwischen wieder bergauf ging, zum Höhenrekord meiner Reise: 5020 Meter. Dort liegen direkt nebeneinander die Laguna Blanca sowie die weitaus interessantere (und bekanntere) Laguna Verde, die Ihren Namen aufgrund der Färbung durch den hohen Magnesiumgehalt bekommen hat. Nach Angaben unseres Fahrers bedarf es allerdings des Windes, um durch Verwirbelung im Wasser die grüne Farbe richtig sichtbar zu machen. Andere Quellen behaupten, daß die Färbung vom Stand der Sonne abhänge. Wie dem auch sei, die Bedingungen waren nur für ein leichtes Smaragdgrün vorhanden, nicht ganz so, wie ich es vorher auf manchen Fotos gesehen hatte. Aber was ist in Zeiten von Photoshop schon noch echt? Jedenfalls ist mir auch dank Photoshop eine schöne Panoramaaufnahme gelungen, die die 3,7 x 2,3 km große Lagune in ihrer vollen Ausdehnung zeigt.
Die Laguna Verde (grüne Lagune) auf 5020 Metern. Ein Hauch von Smaragdgrün ist im Wasser schon zu erkennen. Unbedingt durch Anklicken vergrößern!Auf dem Vulkankegel, der hinter der Lagune auf etwa 6000m ansteigt, befindet sich übrigens noch ein Kratersee, der ebenfalls grün gefärbt ist und daher einige unverwüstliche Bergwanderer anzieht. Mich vielleicht auch beim nächsten Mal... ;-)
Es blieb uns eine halbe Stunde, um über diese traumhafte Landschaft zu meditieren, dann war wieder Weiterfahren angesagt. Nun nahte leider das Ende unserer Tour, es ging noch ein wenig gen Südwesten, bis wir an einen Grenzposten kamen, an dem wir von unserem Jeep auf einen Kleinbus umsteigen sollten, der uns nach San Pedro de Atacama in Chile bringen würde.
Wir sammelten noch ein stattliches Trinkgeld für unsere zwei lieben Begleiter, verabschiedeten uns von ihnen mit einer Umarmung, holten uns noch unseren Ausreisestempel in einem kleinen Verhau und bestiegen den Kleinbus in die Atacama-Wüste.
Es ging schnell bergab, und mit der abnehmenden Höhe nahm auch Isabelles Verfassung wieder sichtlich zu. Nach wiederum einer guten Stunde Fahrt, auf der wir wehmütig zurück aber auch interessiert nach unten ins wüste Tal schauten, erreichten wir den Rand von San Pedro de Atacama, offiziell einer Oase in der trockensten Wüste der Welt. Der paranoide chilenische Zoll sorgte noch für einige Wartezeit, da hier aufwendig jedes Gepäckstück nach Agrarprodukten durchsucht wurde - nicht nur stichprobenartig. Dann durften wir weiter ins Innere der schnuckeligen Stadt in der Wüste. Hier wirkte es gleich wieder recht aufgeräumt und freundlich, viele Hippies waren anzutreffen, entsprechende Shops und Cafés waren im Ortskern zu finden, und so ließen wir uns auch zum Mittagessen in einem feinen Lokal nieder, bevor es anschließend mit einem Linienbus durch die Wüste nach Calama weitergehen sollte, von wo aus uns noch an diesem Abend ein Flugzeug nach Santiago de Chile bringen sollte.
Der bequeme, nur leider nicht klimatisierte Bus brachte uns sicher in - ratet mal! - etwa anderthalb Stunden nach Calama, wo wir praktischerweise in einer Straße voller Friseurläden abgesetzt wurden. Dieses Zeichen nutzten wir beide, um uns äußerlich schon mal wieder in die Zivilisation einzugliedern. Unsere beiden Schnitte (Waschen, Schneiden, Fönen) kosteten zusammen etwa sieben Euro (!) und wurden von einem jungen Ehepaar bolivianischer Herkunft durchgeführt, die sich natürlich sehr für unsere Eindrücke von der soeben beendeten Tour interessierten.
Mit dem Taxi ging es dann zum Flughafen von Calama, wo ich einen günstigen Flug für den späten Abend ergattern konnte. Beim Warten auf den Abflug schlief ich beinahe ein, es lagen ja auch schon 19 wache und ausgefüllte Stunden hinter mir! Es folgte ein schöner Nachtflug in Küstennähe mit Zwischenstop in Antofagasta, und der Kreis meiner Reise schloß sich dann wieder im "Hotel Paris" in Santiago. Morgen wollte ich Isabelle noch etwas von der Stadt zeigen, aber erst einmal war ein guter und fester Schlaf angesagt!
27.1.2009: Von Punta Arenas nach Puerto Montt
Punta Arenas ist nicht gerade eine Perle, war sie doch zunaechst einmal eine Gefaengnisstadt. Durch die guenstige Lage des Hafens hat sie dann so manches erlebt und ist heute Drehkreuz im chilenischen Patagonien. Vor allem der Zugang zum Nationalpark "Torres del Paine", den ich urspruenglich besuchen wollte, macht die Stadt zu einem Touristischen Durchgangslager. Aber ein paar schoene Seiten kann man der Stadt schon abgewinnen - ausgerechnet auf dem Friedhof!

Ansonsten gibt es noch einige interessante Gebaeude im Zentrum, die den Charme der Gruenderzeit verspruehen. Und Laeden mit Kraeuterzubereitungen fuer allerlei Wehwechen:

Zum Glueck hatte ich vorab per Telefon mein Hostel gesucht, denn tatsaechlich waren alle Hostels in der Stadt voll. Aber im "Tres Hermanos" ist man, wie so oft in Chile, freundlich und bemueht. Daher war es auch kein Problem, in meinem Zimmer das Sofa an die Wand zu kippen und eine Matratze fuer Gerry auf den Boden zu legen, da er sonst wohl keine Bleibe gefunden haette.
Am Abend ging es nach dem Streifzug durch die Stadt und den Friedhof zum Flughafen und 1500 km nordwaerts nach Puerto Montt. Auch diese Stadt wird gerne als Sprungbrett nach Patagonien bezeichnet, denn neben dem Flughafen ist hier auch ein grosses Busterminal, von dem aus etliche Verbindungen nach Chile und Argentinien starten.
Fuer die Nacht hatte ich einen Aufenthalt in einem Apartement mit einer grossartigen Aussicht auf Stadt und Hafen, die ich gar nicht so richtig auskosten konnte, da ich erst um 22 Uhr ankam und um 7 Uhr wieder zum Busbahnhof starten musste.
Wie so oft, gab es auch bei den hiesigen Buslinien keine Moeglichkeit, vorab zu reservieren. "Kommen Sie einfach vorbei, das klappt dann schon" - diesen Spruch kenne ich inzwischen gut. Nur, dass es diesmal beinahe nicht geklappt haette. Mit viel Glueck konnte ich einen echten "ultimo minuto"- Sitzplatz ergattern, dessen urspruenglicher Besitzer nicht aufgetaucht war. Und los ging es mit verquollenen Augen in Richtung Anden! Naechste Station: Bariloche.
25.1. 2009: Fährfahrt nach Punta Arenas
Daher verbrachte ich auch etwa 27 Stunden bei Wind und Wetter an Deck, zumal die Luft in der Passagierkabine schnell dick wurde. Am ersten Tag hatten wir ganz grosses Glück mit dem Wetter, da es zunächst nur leicht bewölkt war, und sich die Gletscher entlang des Weges in voller Pracht präsentierten!
Die Nacht wurde recht kurz, zunächst liefen noch Filme auf RTL2-Niveau bis um Mitternacht, danach musste ich versuchen, im Sitzen bei Motorenlärm und lautem Schnarchen meiner Sitznachbarn (zum Glück waren die Motoren lauter) ein paar Stunden Schlaf zu ergattern.
Am nächsten Morgen warteten dann die Magellaninseln in tief liegenden Wolken auf uns, auch das ein mystischer Anblick. Und dann: Pinguine im Wasser! Nur die Delphine wollten sich nicht blicken lassen, aber es soll dazu momentan auch nicht unbedingt die richtige Zeit sein.
So, jetzt geht bald mein Flug nach Puerto Montt; ich bin dann mal weg. ;-)
Dafuer habe mir mal diese Nahaufnahme von einem freundlichen Mitreisenden ausgeliehen (Foto: Gerry Seidman)Palabra de la Semana Nº 2
War schon etwas gemein: Es ist ein aus dem Englischen übernommener Begriff, nämlich "Pen Drive", was wir gemeinhin "USB-Stick" nennen. Das hat schon eine Weile gedauert, bis ich verstanden hatte, was Jaime (ein junger Ingenieur, der momentan in Puerto Williams tätig ist) mit diesem Wort meinte.
Kommen wir zum nächsten Wort, schliesslich sind schon zwei Wochen meiner Reise um:
Ja, das habe ich genau so gelesen! Diesmal dürfte es nicht so schwer sein, aber eine Cuba Libre ist trotzdem drin. Bisherige Gewinner sind von weiteren Gewinnen ausgeschlossen. ;-)
Ciao,
Uwe
Palabra de la Semana Nº 1
23.1.2009: Isla Navarino
Zum Trost verspricht die Fährfahrt sehr spannend zu werden, und das Wetter scheint freundlich zu sein, was den Seegang betrifft.
Heute habe ich den Tag noch einmal genutzt, um etwa 7 Stunden zu wandern, wieder einmal über einen Haufen umgestürzter Bäume und durch Torflandschaften mit kleinen, aber tiefen Schlammlöchern als Überraschung zwischendurch. :-)
Die Dame des Hauses (meiner Unterkunft) wird heute Abend Königskrabbe zubereiten, also sollte ich nicht zu spät kommen!
Die folgenden 2-3 Tage werde ich wegen der Fahrt übrigens nicht berichten können, bitte habt also etwas Geduld. Nächste Stationen sind: Punta Arenas, Puerto Montt und Bariloche.
Ciao!
20.1.2009, Isla Navarino
Der Wind wurde im Verlauf des Tages ziemlich stürmisch, so dass Internet und Telefon ausgefallen waren. Und so habe ich mich an der Küste ordentlich durchpusten lassen und dort und im Wald viele Vögel beobachten können. Abends gab es noch Pisco Sour in der Bar des Yachtclubs, in der ich mögliche Mitwanderen finden wollte, aber nur Seemannsgarn fand... Es war aber auch spannend, sich mit diversen Weltumseglern und Marinesoldaten zu unterhalten!
Und so schliesse ich den heutigen Bericht mit einigen, weiteren Bildern. Macht´s gut!
18.01.2009: Si el tiempo no te gusta...
...espere 15 minutos, so lautet ein örtliches Sprichwort: "Wenn Dir das Wetter nicht gefällt, dann warte 15 Minuten". :-)An meinem ersten Tag auf der Isla Navarino stimmte dieses Sprichwort noch; bei der heutigen Tageswanderung sollte es etwas anders kommen...
8:30 Uhr gibt es Frühstück, Patrick und ich wollen zu einer Tageswanderung bis zum Fuss der höchsten Erhebung der Insel, den "Dientes de Navarino", aufbrechen. Der Weg soll uns zuerst über den "Cerro de Bandera" ("Flaggengipfel", tatsächlich weht hier die chilenische Flagge), dann über den "Rio sin nombre", weiter oberhalb der Baumgrenze zur "Laguna de salto" kurz vor den Dientes, führen. Dann wollen wir entlang des Flusses durch den Wald wieder zurück. Laut Julio soll das gemächlichen Schrittes in etwa 8h machbar sein.
Der erste Aufstieg bis auf 550m war zwar sportlich, aber recht einfach, auf gut beschilderten, ausgetretenen Pfaden. Julio beschrieb uns den weiteren Weg so: "Wenn Ihr an der Flagge angekommen seid, sucht anschliessend nach Steinen mit weissen Pfeilen, die Euch den Weg zu einem rot markierten Pfad weisen." Das war dann schon nicht mehr so einfach. Und der rot markierte Weg war definitiv nichts für Anfänger, führte er doch teils durch Schnee, teils durch Geröllhalden an steilen Abhängen und am Ende des Hinwegs einen wahrscheinlich 45 Grad steilen Abhang mit Steinen und Felsen hinunter. Dafür wird man entlang des Weges mit traumhaften, stetig wechselnden Aussichten auf die Berge, die Seen, Wald, Meer und Feuerland belohnt. Und zweimal kommt sogar mein Kompass zum Einsatz. DAS ist Bergwandern ganz nach meinem Geschmack!An der Laguna de Salto angekommen, verweilen wir eine Zeitlang und geniessen die abgeschiedene Umgebung. Einziges Zeichen der entfernten Zivilisation ist das Geräusch eines Jets, der vermutlich von Ushuaia nach Punta Arenas unterwegs ist. Ansonsten rauschen hier nur das Wasser und die Bäume, deren Grenze wir inzwischen wieder erreicht haben.
Blick von der Geröllhalde auf die Laguna del SaltoUnd dann beginnt der unerwartet unangenehme Teil: Die Rückwanderung durch den Wald und die Moore wird eine feuchte und rutschige Angelegenheit. Hatte ich schon erwähnt, dass die modernen Vibram-Sohlen extrem schlecht auf nassem Holz und und Gestein haften? Beim Rest der Wanderung waren die Schuhe sehr trittsicher, aber jetzt verliere ich ständig den Halt unter den Füssen. Patrick geht es nicht viel besser, einmal macht sein Hosenboden Bekanntschaft mit dem Waldboden. Es regnet inzwischen in Strömen, während ich mit meinem rechten Bein bis zum Knie in einem Schlammloch stecke. Da hilft auch kein Gore-Tex mehr, der Schuh ist voll. NA TOLL.
Das und die gefühlten 256 umgestürzten Bäume, die unseren Weg versperren, lassen den Rückweg zu einer langsamen Angelegenheit werden. Zum Glück ist die Zeit noch auf unserer Seite, denn es wird hier erst gegen 22 Uhr dunkel. Also das beste daraus machen, die Wildnis geniessen, auf die Rufe der Adler über uns hören, wie ein Duracell-Hase immer weiterlaufen und ja nicht den Weg aus den Augen verlieren!
Nach 11h Wanderung erreichen wir dann endlich völlig derangiert unsere Unterkunft und freuen uns tierisch auf das Kaminfeuer und ein reichhaltiges Abendessen. Meinen Plan, später noch in die Bar des Yachtclubs zu gehen, gebe ich schnell auf und falle wie ein Stein ins Bett. Vorher lese ich noch Isabelles SMS mit den Wahlergebnissen vom Sonntag: Ich werde also in ein Koch-regiertes Hessen zurückkehren. NA TOLL.
17.01.2009, Puerto Williams

Mit den Hühnern aufgewacht. Noch etwas dösen, dann gemeinsames Frühstück mit den Mitbewohnern. Es gibt gefüllte Pfannkuchen! Linke Achillessehne schmerzt, also keine längere Wanderung heute. Ein paar Schritte sollten es aber schon sein. Julio hat auch sofort einen Vorschlag parat, der Weg sollte etwa 3h dauern. 12 Uhr Treffen am Hostal Patagonia in der Strasse "Piloto Pardo". Sage der Gruppe, die die 4-Tages-Tour machen möchte, wegen meinem nicht ganz einsatzklaren Fuss ab. Danach schaue ich mich noch ein wenig im Ort um, mache ein paar Besorgungen und gehe zurück zum Hostal. Mit Patrick, dem belgischen Comic-Verleger, für den Abend zum Wettercheck beim Hafenmeister verabredet. Dann starte ich meine kleine Wanderung zum Parque Etnobotánico Omoro. Der Weg führt vorbei an einer einsamen Bucht mit Blick auf Feuerland in einen Wald, in dem man die Fauna und Flora dieser Gegend kennen lernen kann.
Meeres- Blätter und Wildwasser-Rauschen mischen sich ineinander. Im Wald ist es gegenüber der Bucht fast windstill und angenehm mild. Ich folge einem Lehrpfad, von dem es eine Abzweigung in einen "Moosgarten" gibt. Ja, richtig gelesen - in der Provinz Kap Hoorn sind Moose und Flechten die heimlichen Stars der Natur. Es gibt nur 5 Baumarten, aber weit über 800 Sorten von Moosen und Flechten. Der Lehrpfad ist liebevoll gemacht und das auch noch für mich ganz alleine! Nur später soll ich mal einer Gruppe von 4 Chilenen begegnen, ansonsten habe ich den Wald für mich. Im Verlauf des Pfades ändert sich der Wald minütlich, mal zu einer von Vögeln bevölkerten Lichtung, mal mit dicht beieinander stehenden und mit langhaarigem Moos behangenen Bäumen, mal voller totem Holz. Dies ist auch der Unterschied zu den Wäldern Mitteleuropas: hier ist der Wald eben ganz sich selbst (und den Bibern) überlassen.
Am Ende des Pfades komme ich am Rio Robalo vorbei, der bedeutend für die Wasserversorgung von Puerto Williams ist. Am Ufer des Flusses erkenne ich einen riesigen Vogel, den ich erst nach längerem Beobachten als solchen identifizieren konnte, weil er lange stillhielt. Wie mir Julio später erklärt, handelt es sich dabei um einen "Huairavo" (Nycticorax nycticorax), der hier einen ähnlichen Ruf geniesst, wie Raben bei uns. Entlang des Pfades kann man gelegentlich Muschelschalen finden, die Vögel hierher gebracht haben.

Abends gibt mir Julio ein Buch über hiesige Moose und erzählt mir, während ich einen Tee mit dem Heilkraut "Boldo" trinke, über Heilkräuter des Kontinents, z.B. "Ruda" gegen "Malo Ojo", den bösen Blick.
Meinen vorherigen Eintrag sende ich über das hiesige, teuere Internetcafé, in dem, wie anscheinend im ganzen Ort, die Verbindung gerne mal länger ausfällt.
Nach einem verzüglichen, hausgemachten Abendessen führe ich mit den beiden Patricks noch anregende Gespräche, glotze mit ihnen noch Miami Vice, verabrede mich für morgen zu einer Tageswanderung in die Berge und sinke danach ins Bett.
No te preocupes
Es gibt keine direkten Verbindungen nach Puerto Williams. Man kann mit einer tagelangen Faehrfahrt von Punta Arenas oder sogar Puerto Montt (5 Tage) kommen, oder man nimmt einen Flug nach Ushuaia auf Feuerland und setzt dann mit einem Zodiak ueber oder nimmt ein kleines Flugzeug. Letzteres musste natuerlich sein, und Julio hat das fuer mich organisiert.
Da das Internetcafé bald schliesst, uebernehme ich ab dem Linienflug von Santiago nach Punta Arenas mal den Telegrammstil meines Notizbuchs:
Was fuer ein Anblick: Anden, soweit das Auge reicht! Sicht > 100 km. Im Seengebiet herrlich schroffe Berge mit natuerlichen Seen, Staudaemmen und Kraterseen. Hoffentlich kann ich spaeter am Boden einiges von dem geniessen, was ich jetzt auf dem Weg zur Suedspitze des Kontinents sehe. Endlose Weiten, fast keine Strassen erkennbar.
Zwischenstop in Punta Arenas, sieht etwas langweilig aus. Air Base mit Jagdflugzeugen. Technische Probleme am A319, Recherche nach Alternativen (Danke, Christian!), sonst koennte ich den Anschluss und die Faehre verpassen. Flugzeug kommt aber doch noch rechtzeitig in Ushuaia an. Formulare, Formulare. Argentinischen Zoll ueberredet mich direkt durchzulassen, da ich gleich wieder auf chilenischem Boden sein werde. Warten auf meinen Piloten. Ein Polizist hilft bei der Suche. Gefunden. Wieder Formulare. Zahlen nur bar und ni US$ oder Argentinischen Pesos. Hab ich beides nicht. Einziger Geldautomat geht nicht. Euro habe ich noch. Geht auch. Eiliger Abflug mit einer Piper Cherokee. 10 Minuten wilder Ritt mit guter Landung. Pilot ist erst 21.
Die Isla Navarino liegt suedlich von Feuerland. Puerto Williams: 2226 Einwohner. Julio holt mich ab. Meine erste Gepaeckkontrolle ausgerechnet auf diesem verschlafenen Flugplatz. Wetter wechselhaft bis stuermisch bei 8-14 Grad. Aber es ist eine wilde Schoenheit hier. Suche nach der Faehragentur, um Reservierung zu bestaetigen. Zahlbar nur in Bar. Treffe zwei Deutsche, die noch auf einen Platz warten. Sie sind erfahrene Hiker und schwaermen von der Insel. Fange an, meinen Nicht-Aufenthalt hier zu bereuen. Hole Bargeld und denke auf dem Weg ueber eine erneute Planaenderung nach. Rufe Airline an: Anschlussflug liesse sich verschieben. Wieder zur Agentur. Keiner da. Traumhafter Blick auf Hafen, Beagle-Kanal und schneebedeckte Berge. Sonnenstrahlen heben Felsen im Kanal hervor. Regenbogen. Freilaufende Pferde, Kuehe, Hunde, Huehner.
Treffe eine Britin, die auch noch einen Platz auf der Faehre sucht. Hat viele Tips fuer einen Aufenthalt hier. Suchen auf der Faehre nach dem Agenten. Nette Crew grillt gerade zwischen den schon vertaeuten Autos. Captain hilft uns weiter. Agent kommt, als wir gerade die Faehre verlassen. Naechste Woche faehrt also doch eine Faehre. Warteliste mit 12 Eintraegen. RISIKO! Isabelle raet mir zu bleiben. Zurueck zur Unterkunft. Gemuetlich und familiaer. 2 Kaminoefen, 1 Hund, 1 Katze, 1 Papagei, 3 Huehner, 1 Hahn und 1 Biber. Spreche mit 2 belgischen Mitbewohnern. Schwaermen auch. ICH BLEIBE! Spaet abends Yacht Club, Pisco Sour, nette Leute, Anschluss gefunden. Kreuz des Suedens auf dem Heimweg. Gute Nacht.
Tag 3: Santiago de Chile, Bilder, Kommentare
Mein erster Blick auf die Anden, wenige Minuten vor dem relativ steilen Landeanflug.
Blick vom "Hausberg" der Stadt, dem Cierro de San Cristobal. Im Hintergrund sind schon erste Andengipfel zu sehen.Inzwischen ist meine Weiterreise nach Patagonien in trockenen Tuechern. War nicht ganz einfach mit der Unterkunft, schliesslich ist Puerto Williams nur eine kleine "Stadt" mit 2000 Einwohnern. Demnaechst also mehr von der Suedhalbkugel!
Ach ja: Ich habe die Kommentarfunktion geaendert, so dass Kommentare auch ohne Anmeldung hinterlassen werden koennen.
Macht's gut!
Uwe
Fwd: Tag 1 1/2: Flug und Santiago de Chile
Buenos dias, hier schreibe ich nun von einem Steinzeit-Computer im "Hotel Paris" im Zentrum von Santiago de Chile. Wenn ich mal ein gut bestuecktes Internet-Café auftreibe, kann ich hoffentlich auch mal erste Bilder hochladen. Bis dahin kann ich aber schon einmal berichten, dass der Flug soweit angenehm verlief (14,5h und ein cooler Landeanflug knapp ueber Andengipfeln) und - wie ich das schon von LAN Chile gewoehnt bin, recht komfortabel und freundlich. Und vor allem mit beliebig viel chilenischem Wein in der Touristenklasse. ;-) Kaum am Flughafen angekommen, habe ich Bekanntschaft mit Mauricio geschlossen, der in Santiago Heimaturlaub macht und auch mit mit meinem Flug kam. Sein Kumpel hatte ihn abgeholt und mich bei dieser Gelegenheit gleich mit in die Stadt gefahren, wo ich gleich zu einem typisch chilenischen Mittagessen im Restaurant "Transiberia", das der Bruder von Mauricio betreibt, kam: "Porotos con pilco", ein leckerer Gemueseeintopf mit vielen Bohnen. Die Zeitverschiebung, wenig Schlaf im Flugzeug und die Gelbfieberimpfung haben mich dann frueh ausgeknipst, so dass ich jetzt gut ausgeschlafen die Stadt erkunden kann. Macht's gut!d-0: Endstress
So, der Blog steht, die Frisur auch, jetzt haste ich allerschnellstens in Richtung Frankfurt, versuche noch einen dringenden Behördengang abzuhaken und mir dann vor dem Abflug doch noch eine Impfung verpassen zu lassen.











